Im ersten und zweiten Teil des Artikels ging es um Motivationen und Varianten der Adoption. Im finalen dritten Teil kommen wir zu den familiären wie auch gesellschaftlichen Problemen einer Adoption.
Adoptiveltern stehen von Anfang an vor der besonderen Aufgabe, ein „weggegebenes“ Kind aufzunehmen und großzuziehen. Nach dem Adoptionsbeschluss des Vormundschaftsgerichts gehört dieses Kind zwar rechtlich zu Ihrer Familie, aber Sie werden trotzdem noch öfter mit Problemen kämpfen, in Erziehungsfragen Unsicherheit empfinden und oft an Ihre Grenzen stoßen. Besonders, wenn es darum geht, Ihr Kind über seine Herkunft aufzuklären.
Der wichtigste Grund hierfür besteht darin, Ihrem Kind zu zeigen, dass Ihr Familienleben auf Ehrlichkeit, Offenheit und gegenseitigem Vertrauen aufgebaut ist. Jeder Mensch hat außerdem das Bedürfnis, etwas über seine „Wurzeln“ zu erfahren, denn ein wesentlicher Teil der Identität wird in unserer Kultur mit der Herkunftsfamilie verknüpft.
Die Identität von Adoptierten besteht aus 2 Welten: sie definieren sich sowohl über ihre Adoptiv- als auch über ihre Herkunftsfamilie. Bei halboffenen und offenen Adoptionen haben die Kinder erfahrungsgemäß weniger Identitätsprobleme als Kinder aus Inkognitoadoptionen. Was Kinder von ihren Adoptiveltern über Ihre Herkunft erfahren, prägt also ganz wesentlich ihr Denken und Fühlen darüber, wer sie sind.
Sollte ein Adoptivkind unvorbereitet selbst seinen „Adoptionsstatus“ entdecken, kann das zu einer verhängnisvollen Entwicklung führen. Deshalb sollten sich Adoptiveltern umfassend und rechtzeitig vorbereiten, um nicht von plötzlichen Fragen des Kindes überrascht zu werden. Die Wahl des Zeitpunktes bzw. das Alter, in dem sie Ihr Kind über seine Adoption ins Bild setzen, bleibt dabei Ihnen überlassen.
Auch sollten Sie sich über Ihre Empfindungen gegenüber den leiblichen Eltern Ihres Kindes klar sein. Nicht ist schlimmer, als wenn Adoptiveltern in Gegenwart des Kindes abfällig über seine leiblichen Eltern sprechen.
Ein Kind herzugeben verursacht Schmerz und Trauer – egal, unter welchen Umständen dies geschieht. Das Weggeben eines hilfsbedürftigen Babys wird in der Gesellschaft und individuell meist geächtet und abgelehnt, die Entscheidung der abgebenden Mutter selten hinterfragt und so gut wie nie akzeptiert. Dabei hat sich die Mutter mit der Freigabe zur Adoption für das Leben des Kindes und gegen einen Schwangerschaftsabbruch entschieden und zeigt damit Verantwortungsbewusstsein. Trotzdem wird sie oft als „Rabenmutter“ gebrandmarkt und muss mit ihren Gefühlen, Sehnsüchten und ihrer Trauer meist alleine fertig werden.
In vielen Fällen treibt finanzielle Not Frauen dazu, den letzten verzweifelten Schritt zur Adoptionsfreigabe zu machen. Deshalb dürfen abgebende Mütter bzw. Eltern keinesfalls abgewertet werden. Unsere Gesellschaft sollte anerkennen, dass die Existenz sozialer und biologischer Elternschaft auch unabhängig voneinander möglich ist.
Adoption ist ein manchmal lebenslanger Prozess, der für alle Beteiligten zeitweilig auch schmerzhaft sein kann.
Aber das Gefühl, einem Kind ein Zuhause zugeben, dafür geliebt zu werden und selbst zu lieben, wiegt alle Konflikte, Ängste und auch schmerzliche Situationen wieder auf.
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