Vom Rauschen im (Papier-)blätterwald – wie ein Zeitung entsteht

Nachgefragt... Ein Artikel für die Kleinen (4-10 Jahre)

Die meisten von uns lesen sie fast täglich. Beim Arzt liegen sie im Wartezimmer, manche nennen sie gar die „vierte Macht im Staat“ – gedruckte Presseerzeugnisse. Sie heißen Zeitungen, Zeitschriften oder Magazine und begegnen uns auf Schritt und Tritt.

Aber wie entsteht eigentlich eine Zeitung?

Die Antwort auf diese Frage wartete im Druckhaus der „MZ“ auf uns. Dort trafen wir Herrn S., der als Mitarbeiter der Verlagsführung bei der MZ beschäftigt ist.
Er erzählte uns zuerst etwas über die Geschichte des Druckens und der Zeitung: Die älteste uns bekannte Drucktechnik ist der Buchdruck. Schon im 7. - 10. Jahrhundert unserer Zeit, also vor über 1.300 Jahren, wurden in China mit einem stempelähnlichen Druckstock aus Holz Bücher gedruckt. Gutenberg-Bibel
Aber erst mit der genialen Erfindung der „beweglichen Letter“ durch den Mainzer Goldschmied und späteren Buchdrucker Johann Gutenberg wurde es möglich, ab dem Jahre 1450 mit „Typen“ genannten Einzelbuchstaben, Ziffern und Interpunktionen zu drucken. Nach der ersten Seite wurden die „Typen“ wieder zerlegt, in die Setzkästen sortiert und jetzt konnte das Druck-Verfahren mit den gleichen „Typen“ für die nächste Seite neu beginnen - daher auch der Ausdruck „bewegliche Letter“, wie die „Typen“ noch genannt wurden..

Bildinfo: Die Gutenberg Bibel. 1282 Seiten! Gutenberg hat für diese Bibel 290 verschiedene Figuren gegossen. Es arbeiteten daran 20 Mitarbeiter.

Die erste Zeitung verdankt ihre Entstehung dem römischen Kaiser Julius Cäsar. Er erfand ungefähr im Jahre 59 vor Christus das „Römische Tageblatt“. Es bestand aus mit Gips überzogenen und mit schwarzer Schrift bedeckten Holzplatten, welche er auf dem Marktplatz in Rom ausstellte, so dass jeder, der vorüberging, sie lesen konnte - wenn er es denn konnte.
Im 14. Jahrhundert erschien in China dann die mit Hilfe von Holztafeln gedruckte Pekinger Zeitung „Bote der Hauptstadt“.
Aber erst 1609 wurde in Straßburg die erste regelmäßig erscheinende Wochenzeitung herausgegeben. Der Verleger war ein Buchdrucker namens Carolus.
Diesem Beispiel folgten wenig später andere Buchdruckerein und im Jahre 1626 gab es bereits in sieben verschiedenen deutschen Städten regelmäßig erscheinende Zeitungen.
Im Jahre 1902 war ihre Zahl auf etwa 9.000 angewachsen und dann begann die Blütezeit der deutschen Zeitungen und Zeitschriften. Jeder konnte sie sich leisten und da es weder Fernsehen noch Radio gab, waren sie die einzigen Möglichkeiten, sich zu informieren.

Laufband

Aber wie entsteht eine große Tageszeitung wie die MZ heute, im Zeitalter von Computern, Internet und modernster Drucktechnik?

In den Vormittagsstunden beginnt schon die Produktion der Ausgaben für den nächsten Tag. Als erstes beraten die Redakteure und Verlagsmitarbeiter über Seitenanzahl, Farben und natürlich über die Themen, über die in der nächsten Ausgabe berichtet werden soll.

Dafür werden Nachrichten aus aller Welt an die Mitarbeiter der einzelnen Bereiche wie zum Beispiel Wirtschaft, Politik, Sport und Kultur geschickt. Diese Bereiche heißen im Zeitungswesen Ressorts.
Die Bereichsleiter (Ressortchefs) suchen dann aus, welche von den vielen Informationen wichtig genug sind, um am nächsten Tag in der MZ zu erscheinen.

Als nächstes entwerfen die Ressortchefs gemeinsam mit den Mitarbeitern des Bereichs „Gestaltung“ (auch Layout genannt) das Aussehen des Artikels, also Größe, Spalten und ähnliches. Das dabei entstehende Muster ist die Arbeitsgrundlage des Redakteurs, der den Artikel schreibt. Wenn er fertig ist, liest der Ressortchef den Artikel noch einmal durch und dann erhält er die Imprimatur. Das ist lateinisch und heißt soviel wie: es darf gedruckt werden.

Per Mouse-Click werden alle fertigen Artikel aus den verschiedenen Ressorts über eine Datenleitung in eine Computerzentrale gesendet. Dort werden noch die Farben und das Format eingefügt und dann gehen die Artikel, wieder per Computer, ans Druckhaus.
Dort stehen fünf so genannte Rollenoffset-Druckmaschinen. Zusammen sind sie 71 Meter lang und 17 Meter hoch.
Die Papierrolle, die in eine Maschine eingepasst wird, wiegt 1.400 Kilogramm und enthält 20.000 - 22.000 Meter Papier, also ungefähr die Hälfte der Entfernung zwischen Halle und Leipzig! Pro Stunde dreht sich die Maschine 35.000 - 40.000 Mal und genauso viele Zeitungen werden mindestens in dieser Zeit gedruckt.
Dabei werden pro Tag etwa 60-70 Tonnen Papier verbraucht - das ist das Gewicht von 10 ausgewachsenen Elefanten!
Druckhaus Druckbeginn ist abends um 9 - also dann, wenn es sich die meisten anderen Leute im Fernsehsessel oder auf der Couch bequem gemacht haben. Noch während des Druckens verlassen die bereits fertigen Zeitungen auf einer Förderkette das Druckhaus in Richtung Versand. Dort werden sie gebündelt, mit Adressen versehen und die Werbeprospekte werden eingelegt.
Um 4 Uhr früh verlässt der letzte Stapel das Gebäude in der Delitzscher Straße in Halle und wenig später halten dann die ersten „Frühaufsteher“ ihre druckfrische MZ in den Händen!

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Autor: Dagg/Redaktion
publizierte am 25.10.2007
den Artikel: Vom Rauschen im (Papier-)blätterwald – wie ein Zeitung entsteht
zum Thema: Familie & Kinder
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