Eine gefährliche Reise nach Deutsch-Ostafrika, unternommen vom kaiserlichen Fotografen Fritz Bruno, im Jahr 1907
Daressalam, 23. Mai 1907
Der deutsche Fotograf Fritz Bruno sitzt auf der Veranda des deutschen Bungalows in Daressalam. Dieser kleine Bungalow steht weiterhin den Ostafrikabeamten zur Verfügung, obwohl die Reichsregierung die finanziellen Hilfsleistungen für Deutsch-Ostafrika drastisch kürzte. Fritz Bruno blättert in seinen Reiseaufzeichnungen und fühlt sich plötzlich überwältigt von den Erinnerungen an die Begegnung auf der Farm nahe des Ngorongoro Krater: Die kleine, vier Mann starke Expeditionsgruppe benötigte damals zwei Wochen, um bis zum Anwesen zu gelangen. Die Reise zu Pferd durch die heiße, ostafrikanische Savannenlandschaft war sehr anstrengend. Doch schließlich kam die Expeditionsgruppe auf den etwas kühleren, am Rande des Mount Meru gelegenen Hochflächen an. Die Reisenden staunten über Giraffen und Elefanten, die auf den Hochflächen ruhig grasten. Am Mount Meru überquerte die Gruppe den Meru-Pass und näherte sich dem Anwesen der Grangers. Sie kamen auf der etwas erhöht gelegenen Hatahari-Lichtung an, von der aus man einen herrlichen Panoramablick auf die wunderschöne Landschaft hatte. Hier banden die Reisenden ihre Pferde an die Äste eines Baobabs. Dann ließen sie den Blick über die Ebene afrikanischen Buschlands schweifen. Durch das Fernglas sahen sie Gazellen, Zebras und Gnus. Zahlreiche Vogelschwärme waren um die Wasserlöcher herum versammelt. Gelegentlich flog ein Vogelschwarm auf. Schließlich ritt Luise Granger auf einem großen, dunklen Hengst herbei. Die Großwildjägerin wurde von der Gruppe laut und froh empfangen. Dann wurde es still und der Blick aller wanderte erneut über die Ebene. Ein kühlender Wind säuselte Bruno Fritz über die verschwitzte Brust. Luise Granger saß entspannt auf ihrem dunklen Hengst und öffnete ihren Haarzopf im Wind, während ihr Blick voller Stolz die Landschaft absuchte. Doch plötzlich verfinsterte sich ihre Miene. Sie schrie: "Die Wilderer sind da! Auf, schnell, wir müssen die Tiere vor ihnen retten!" Die Pferde wurden losgebunden. Eilig galoppierte die Expeditionsgruppe durch die Savanne. Im Vorbeireiten erblickte Bruno Fritz flüchtig ein Breitmaul-Nashorn, das sich gerade in einem Schlammloch suhlte. Insoweit der schnelle Galopp es zuließ, vernahm er exotische Geräusche, wie beispielsweise das tiefe Gebrüll eines Löwen, das laute Zirpen der Zikaden, ein eindringliches Froschquaken sowie die Stimmen zahlreicher Vogelarten. Dann kam die Begegnung mit dem Feind: Die Pferde hielten schnaubend inmitten eines sandigen Hüttenplatzes. Die Wilderer versuchten gerade, ihr Elfenbein in einer Hütte der Massai zu verstecken und bedrohten daher Achieng, die Massai-Tochter von Mama Sabra. Doch Frau Granger schrie und zielte mit dem Gewehr auf die Eindringlinge. Da erschraken die Wilderer und flohen. Überglücklich schmissen sich Achieng und Sabra um den Hals ihrer Lebensretterin. Bruno Fritz beschlagnahmte das zurückgelassene Elfenbein für den kaiserlichen Fiskus und ritt zurück zum Farmhaus. Beim Abendessen auf dem Balkon des Farmgebäudes zeigten sich alle erleichtert, dass der Zwischenfall mit den Wilderern unblutig ausging. Im Abendrot konnten die Farmgäste durch das Fernglas einige Impalas und kleine Antilopen beobachten. Hin und wieder stolzierten Löwen in Sichtweite vorbei.
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